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Die kurfürstliche Jagd im Rossauer Wald


Das Lehnbuch Friedrich des Strengen anno 1349 nennt die Brüder Reinhard und Dittrich von Honsberg als Eigentümer von Hainichen, Arnsdorf nebst dem Hainichener und Rossauer Wald. Dieses Rittergeschlecht prägt unsere Gegend wahrscheinlich bis etwa 1435, dann verkauft es Hainichen und Arnsdorf sowie den halben Wald an Hans von Maltitz.
Eine Urkunde von 1441 besagt, daß Tillich von Honsberg, sein Bruder Friedrich und dessen Sohn Nikolaus mit einem Sattelhof in Schweta, dem Dorf Rossau und dem halben Wald zwischen Hainichen und Mittweida belehnt sind.
Die Familie von Maltitz, offenbar von finanziellen Schwierigkeiten geplagt, sieht sich genötigt, die gesamte Herrschaft von Arnsdorf im Jahre 1443 zu verkaufen. Neue Grundherren in Arnsdorf werden die Brüder Günter und Hans von Zaßnitz, .deren Familien das Rittergut durch Intensivierung der Schafzucht, Bierbrauerei und vereinzelt durch Ziegelherstellung zu vorher nie gekanntem Wohlstande führen.
Nur kurze Zeit später, wir schreiben das Jahr 1446, veräußert Ritter Hans von Maltitz den Rest seiner Besitzungen in unserer Gegend, das sind "Heinchin das Stehtlyn" und der dabei gelegene halbe Wald, an die Brüder von Schönberg.
Mitte des 16. Jahrhunderts besitzen, wie oben erwähnt, die Honsbergs auf Schweta bei Döbeln das Dorf Rossau und den halben Wald zwischen Hainichen und Mittweida, die andere Hälfte des Waldes und die Stadt Hainichen hingegen das Geschlecht der von Schönberg.
Während der Regierungszeit Kurfürst August I., 1553 - 1586, auch Vater August genannt, soll ein stattliches Wildschwein im Rossauer Wald sein Unwesen getrieben und statt Spalthufen sogar Bärenklauen besessen haben. Kurfürst August, der ein leidenschaftlicher Jäger war, wollte bei seinem Vasallen von Honsberg, dem damaligen Besitzer des Waldes, dieses ungewöhnliche Tier erlegen. Hans von Honsberg dauerte es zu lang, bis der Kurfürst zur Jagd eintraf, auch übermannte ihn das Jagdfieber beim Anblick dieses feisten Eber, und so brachte er ihn zur Strecke. Kurfürst August darüber erbost, soll daraufhin den Honsbergs kurzerhand den Wald weggenommen haben. Den Akten nach kauft aber der Kurfürst 1569 von den Brüdern Hans und Ernst von Honsberg für 36000 Meißnische Gulden den Wald und das Dorf Rossau.
Bereits im Jahre 1568 hatten die Schönberge ihren Waldanteil an Kurfürst August veräußert, so daß im Jahre 1569 der gesamte Rossauer und Hainichener Wald in kurfürstlichem Besitz ist.
Wir können demnach aus den Aufzeichnungen erkennen, daß es sich um ein reguläres Geschäft zwischen den Waldbesitzern und dem Kurfürsten handelte. Vielleicht kam die Abwicklung unter Zwang zustande, oder es spielten Tauschfluren eine Rolle, wie behauptet wird, denn mit Sicherheit kann es nicht nachgewiesen werden. Da das nach dem Kurfürsten August in unserer Nähe benannte Jagdschloß erst um 1573 fertiggestellt wird, bleibt unsere Gegend bevorzugtes Jagdrevier des Kurfürsten und auch seines Nachfolgers, des Kurfürsten Christian. Aufzeichnungen über zu erbringende Jagddienste der umliegenden Orte geben Aufschluß darüber.
Das Oelgemälde, auf welchem dieses tierische Ereignis festgehalten wurde, soll im Schloß Schweta gehangen haben. Leider ist es uns nicht vergönnt, diesen ehemals schönen Renaissancebau zu besichtigen. Im Dezember 1953 wurde er gesprengt, und nur ein paar bedeutungslose Mauern erinnern an den Standort.


Sagenhaft

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