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800 Jahre Arnsdorfer Rittergutsgeschichte


Von Maltitz bis Beschwitz


Arnoldisdorfdas spätere Arnsdorf gründet sich mit der Besiedelungspolitik unter Otto dem Reichen von Wettin in den Jahren 1156 bis 1162.
Eine urkundliche Erwähnung findet unser Ort aber erst am 5. Februar 1348, als die beiden Ritter Reynhard und Theoderich von Hunsberg auf Arnoldisdorf, dem Abt Cunrad von Celle, das Dorf Sankt Michaelen verkaufen.
Das Kloster Altzella, der Machtbereich über 75 Dörfer, 3 Städte und mehrere Klosterhöfe, beherrscht seit seiner Stiftung im Jahr 1162 unser gesamtes Einzugsgebiet mit fast einer Ausnahme: „Arnsdorf mit der Stadt Hainichen sowie dem Rossauer und Hainichener Wald!“
Die Ministerialen von Maltitz und Honsberg, Dienstmannen im Gefolge der Markgrafen von Wettin, sind vermutlich nacheinander die ersten Lehnherren des Hofes Arnsdorf. Die Familie von Honsberg, einflußreiche Bergherren in Freiberg, besitzen das Rittergut etwa bis 1440, um es dann aus wirtschaftlicher Notwendigkeit verkaufen zu müssen. Ein Lehnbrief aus dem Jahr 1443 ist die erste ausführliche wirtschaftliche Beschreibung der Herrschaft Arnsdorf. Sie besitzen demnach Arnsdorf mit den Vorwerken Gersdorf, Falkenau, Irbersdorf sowie die Ober- und Niedergerichte. Die Besitzer, Günter und Hans von Zaßnitz, intensivieren die Schafzucht, betreiben Hopfen- und Getreideanbau und führen das Gut zu einem wirtschaftlichem Aufschwung. Gut 150 Jahre blüht der Gutsbetrieb in der Hand der Familie von Zassnitz auf, viele Bauten entstehen wie das Ziegelhaus und die Mühle. Nachdem George von Knobelsdorf, Hofmeister der Churfürstin Sophie von Sachsen, das Rittergut kurz besaß, geht es in im Jahr 1609 in die Hände der Familie Kölbel von Geising über. Sie sind reiche Zinngrubenbesitzer und Exulanten aus dem böhmischen Erzgebirge.
Die Zeit des 30jährigen Kriegs bricht an und geht auch an Arnsdorf nicht spurlos vorrüber. Marrodierende Kriegshaufen ziehen von Ort zu Ort, brandschatzen die Gutsgebäude und bringen viel Unheil über die Dorfschaft.
Nachdem 1655 Dorothea von Kölbel, geb. von Einsiedel, im Alter von 47 Jahren stirbt, sieht ihr Ehemann Heinrich keinen Sinn am Leben und folgt seiner „Hausehre und Eheliebsten“ ins Grab nach.
Nach Auseinandersetzungen der Erben untereinander erwirbt Anno 1668 der Landjägermeister Georg Carl von Carlowitz das Rittergut Arnsdorf. Ab diesem Zeitpunkt bleibt das Gut bis 1945 in Familienbesitz.
Leider ist der Familie Carlowitz kein männlicher Erbe beschieden, in der damaligen Zeit fast eine Katastrophe. So findet im Jahr 1701 die Vermählung der mittleren Tochter Charlotte Marie mit dem Sächsischen Kammerjunker George Wolff von Thümbling (Tümpling) statt. Auch in dieser Familie folgt in späteren Jahren ein Mädchen auf das andere.
Ein Enkel des Wolf von Tümpling, der Großherzoglich Weimarische Kammerrat Ferdinand Freiherr von Beschwitz erwirbt 1831 Arnsdorf und übergibt es 1874 an seinen Sohn Wilhelm Moritz Wolf von Beschwitz, Königl. Sächs. Rittmeister. Nach seinem Tod 1889 bewirtschaftet sein Sohn Max , Rittmeister und Kammerherr am Sächsischen Hof, das Rittergut und übergibt es seinem Sohn Max in den zwanziger Jahren, der es bis 1945 besitzt.
Die Hälfte bis zu zwei Dritteln der Dorfbevölkerung stand in diesem Gutsbetrieb in Lohn und Brot bzw. war indirekt involviert. Historisch gewachsene kleinere Industriebetriebe wie die Ziegelei, das Sägewerk, der Forstwirtschaftsbetrieb, die Schäferei gehörten zum Rittergut, wenn sie auch teilweise verpachtet waren. Handwerker und Gewerbetreibende des Ortes lieferten ihre Produkte bzw. verkauften ihre Arbeitsleistung, so daß nur wenige Dorfbewohner ihren Lohn auswärts verdienen mußten. Mit Unterstützung der Familie von Beschwitz wurde 1846 in Arnsdorf eine eigene Schule eingerichtet und auch das Gemeinwesen gefördert. Zu Kriegsende kommen 140 Heimatvertriebe nach Arnsdorf und müssen untergebracht werden. Im Zuge der Bodenreform entstehen 26 Neubauernstellen und das gesamte Gut wird zerstückelt.
Rührige Arnsdorfer sind bestrebt, das Gedenken und die Verdienste der Familie von Beschwitz zu ehren. In mühevoller Kleinarbeit in Archiven sind viele Daten zur Familiengeschichte, aber auch Baupläne zum Rittergutsgelände ans Licht gerückt worden. Aber leider verringern sich die greifbaren Zeugnisse immer mehr. Die 1946 mutwillige Zerstörung des erst im Jahr 1891 durch Umbau entstandenen Neorenaissanceschlosses, der gedankenlose Umgang mit Kulturgut in der vergangenen Ära der DDR und die letzten Jahre des Leerstandes haben ihr übriges getan, aus einem perfekten Gutsbetrieb ein zerissenes Areal, teils dem Abriß preisgegeben, zu machen.
Der Bau des Bürgerhauses in Arnsdorf bot eine Chance, ein paar Kleinodien aus dem Herrenhaus zu retten. Fußbodenfliesen der Terrasse zieren den Eingangsbereich zum Haus, aber das Prunkstück stellt der Kamin des Gartensaales dar. Er wurde fachgerecht abgebaut und die Besucher können ihn als Zierrat im oberen Geschoß bewundern.

Evelin Wandel

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